Spürbare Gemeinschaft

Montag, 05.September 2016, 08:17 Uhr
Seit einigen Jahren treffen wir uns zum Sommerkino in der St.-Marien-Kirche zu Elende. Für meinen Mann und mich sind das immer die absoluten Höhepunkte in unserem Elender Kirchenjahr. Zweimal jährlich leihen wir uns einen Film in Neudietendorf aus und laden ein. Die Medienzentrale ist uns dabei immer eine große Hilfe. Wenn ich anrufe und nach einem lustigen Film frage, nur die werden in Elende gern gesehen, dann bekomme ich stets mehrere vorgestellt. Die Damen am Telefon kennen ihre Filme, das ist phantastisch und erleichtert mir die Auswahl ungemein.

Dann laden wir über persönliche fb-Nachrichten und per Mail ein. In der Zeitung den Titel zu nennen ist aus Konkurrenzgründen zum Kino verboten.

Aber das macht nichts, denn persönliche Einladungen haben sich bewährt. Beim letzten Film waren wir gut 30 Kirchenkinobegeisterte vom Schulanfänger bis zum 80-jährigen und dieses Mal kamen auch noch liebe Gäste aus dem nahegelegenen Flüchtlingsheim. Ob die vier jungen Afghaninnen alles verstanden haben, das weiß ich nicht? Aber sie haben sich in unserer Gemeinschaft sichtlich wohl gefühlt. Überhaupt kommen hier regelmäßig Menschen zusammen, die ich mit dem Sonntags-Gottesdienst nicht erreiche. Den Sommerkino-Termin erfragen viele aber bereits Wochen im Voraus.

"Ein Sommer in der Provence" stand auf dem Spielplan - Generationenkonflikt (knorriger Landei-Opa und Pariser Teens treffen aufeinander - mitten im Nichts der Provence).
Doch dann kommen alte Geschichten hoch, Oma und Opa waren früher Hippies und sind mit dem Motorrad um die Welt gereist....die Geschichte nimmt ihren Lauf und die herrlichen Landschaftsbilder verzaubern uns alle.

An diesem Abend haben wir in der Kirche zusammen gelacht und geweint, die alten Songs wie "Stairway to heaven" gemeinsam gesungen, ein Gläschen kühlen Weißwein geschlürft und einiges Selbstgebackenes durch die Reihen gehen lassen.

Nicht wenigen ging an diesem Abend ihr eigenes Leben durch den Kopf. Viele von uns sind um die 50, da kreisen die Gedanken um das was schon war und vielleicht noch sein wird eh sehr intensiv. Entsprechend persönlich waren auch die Gespräche hinterher. Was tun wir mit der uns geschenkten Zeit? Gehen wir pfleglich mit ihr um? Mit uns? Könnten andere Dinge als nur die tägliche Arbeit unser Leben reicher machen? In kleinen Grüppchen wurde leise angeregt diskutiert.

Und ganz nebenbei sind Spenden für die Sanierung der Wegekapelle in Elende in Höhe von 300 Euro gegeben worden. Ein wunderbarer Abend in so vielerlei Hinsicht.

Ich freue mich schon auf diesen Freitag, 19.30 Uhr gibt es den nächsten Film. Mal sehen, vielleicht backe ich ja noch kleine Teigtaschen mit Curry und Hühnchen, könnte zum Film passen ;-)

Vielleicht versuchen Sie einen Kinoabend ja auch mal in Ihrer Gemeinde - ich kann es jedenfalls nur empfehlen! Der Aufwand ist gering und das Ergebnis bleibt in Erinnerung!

Regina Englert


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