Mylius & die Reformation - ein Gedicht Michael Wegner

Montag, 10.Juli 2017, 13:53 Uhr
Mit diesen selbstgebauten Besenpuppen wurde der Inhalt des Gedichtes noch unterstrichen
Johannes Mylius, der Poet der Reformation
von Michael Wegner


Die Dohlen fliegen um den Turm
Kennt Ihr denn die Geschichte schon?

Was sich vor Zeiten hier ereignet
Wovon ein jeder gern heut schreibet.

Ich künde euch von jenen Tagen
Ihr könnt mich nachher selber fragen.

Und schaut mich an ich war dabei -
Doch nun genug der Dichterei

Vor eure Augen will ich bringen
wie der Geschichte wildes Ringen

hier an dem Ort gewirket hat
Was hier entstand an dieser Statt

Denn damals waren sie alle hier
Auch Luther trank Nordhäuser Bier

Neander baut sein Internat
Und auf den Feldern wuchs die Saat

Ob Reformation und Bauernkrieg –
kein Stein mehr auf dem Anderen blieb

Bauern:

Als Adam grub und Eva spann-
wo war denn da der Edelmann?

Wir Bauern leiden große Pein
man nimmt uns noch das letzte Schwein

Der Edelmann nimmt uns die Kinder
behandelt besser seine Rinder.

Das Rind trägt einzig nur sein Joch
Wir leisten Fron und Abgab noch.

Zum Leben zu wenig zum Sterben zu viel
Das zu verändern sei unser Ziel.

Johannes der Apostel kommt in dunkler Nacht
Nach Trebra zu dem Brunnenschacht

Dort tief im Wald steht die Kapelle
Wohin die Bauern laufen schnelle.

Es ist der Krieg der aus ihm spricht
Das hörn die Edlen lieber nicht.

Die Bauer wollen nun nicht warten
und lassen liegen Feld und Garten

Der Luther warnt vor Krieg und Not
Denn dieser bringt den Menschen Tod

Die Bauern hören nicht auf ihn
und wollen in den Krieg nun ziehn.

Bauernlied:

Wenn Sonne durch die Wolken bricht
erstrahlt am Himmel göttlich Licht

Der Regenbogen ist das Zeichen
Von dem wir wollen nie mehr weichen.

Es soll auf unsrer Fahne wehn
Das Freund und Feind es weithin sehn.

Mit Müntzer ziehn wir in die Schlacht
So weit hat uns die Not gebracht.

Steht auf und schließt euch mit uns an
Wer jetzt zu Haus bleibt ist kein Mann.

So zogen sie dann alle fort.
Die Bauern hier aus jedem Ort.

Aus Trebra und aus Friedrichstal,
aus Schiedungen die allemal.

Ins Eichsfeld sind sie dann gerannt
und haben Klöster abgebrannt.

Nur nicht der Klettenbergerhaufen.
Der war zu faul so weit zu laufen.

Warum den in die Ferne schweifen
Wenn Walkenried ist noch zu schleifen?

Da war noch eine Rechnung offen:
Abt Paulus denn der hat gesoffen.

Den Kirchturm haben sie ungehemmt
erst umgestürzt dann abgebrennt.

Auch Bliedungen haben sie zerstört.
Das ist doch wirklich unerhört.

In Elende kamen sie nicht ans Ziel
Der Pfarrer dort wusste zu viel.

Der ließ seine Bienen fliegen,
der Angriff kam so zum Erliegen.

Am Pfarrhaus kann man heut noch sehn
Ein Bienenschrift bezaubernd schön.

Die Bienen haben in dieser Nacht
Das Haus behütet und bewacht.

Die Bauern tranken sehr viel Wein.
Nur Zufall konnte es nicht sein.

Sie kamen zu spät nach Frankenhausen.
Was sie da sahen ließ sie grausen.

Sie gingen schnell und still nach Haus
Doch die Geschichte war nicht aus.

Die Ritter ließen sie nicht gehen,
auf Schiedungens Deich mussten sie stehn.

Grund zum Zorn war viel gegeben
Es ging den Bauern an ihr Leben.

Der Tettenborner wollte Rache
Und hatte Grund in dieser Sache.

War doch sein Sohn gemordet worden
Von der Bauern wilden Horden.

Doch dann trat still und ohne Worte
ein Ritter vor sie an dem Orte.

Er hatte gründlich nachgedacht
Und dann sein Urteil vorgebracht:

Hört ihr edlen Männer hier,
der Bauer ist ein wildes Tier.

Doch wir sind in der Jagd erfahren
und werden auch in vielen Jahren

Herr bleiben über diese Leute
So lasst uns denken an das heute.

Wer soll auf unsern Feldern pflügen
Wenn diese tot darunter liegen?

So sprach der Ritter aus Sundhausen
Vom Himmel kam ein leichtes Sausen.

Ist doch Vergebung, nicht das Gericht
Der edlen Christen hohe Pflicht.
Graf Ernst von Klettenberg war froh
Sah er die Sache auch schon so.

Er ließ die Bauern gehen nach Haus
Und damit war der Krieg dann aus.

So zog der Frieden dann ins Land
Es gab kein Mord und auch kein Brand.

Es änderte sich viel Religion.
Man schloss sich an der Reformation.

Der Klettenberger Graf allein
der wollte nicht wie alle sein.

Er blieb im alten Glauben stehn.
Ließ trotzig seine Fahne wehn.

Als er in Ellrich war zum zechen
Da wollte er sich bitter rächen.

Die Protestanten sangen Lieder
Das klang in seinen Ohren wieder.

Die Tür der Kirche stand weit offen
Er selber war ganz sturzbesoffen

So ritt er ohne abzusteigen
hinein in einem munteren Reigen.

Das Pferd es fiel zu Boden dann.
Begrub dabei den stolzen Mann.

Die Eisen hat sich`s abgerissen.
Dem Graf dem ging es ganz besch…

An eben jener Kirchentür
da hingen sie dann alle vier.

Ganz unberührt von alledem
Da lebten Menschen wirklich schön.

Nach Liebenrode kam von fern
Ein Mann den hatten alle gern.

Er war ein Pfarrer ganz apart
Und eben von der neuen Art.

Deshalb kam er nicht ganz allein
Sein Weib soll schön gewesen sein.

Und klug soll sie gewesen sein
Sie schenkte ihm ein Kindelein
Der Knabe war so klug wie schön
Doch das das sollt ihr selber sehn:





Johannes Mylius

Und das bin ich im achten Jahre
Ich hatte da noch blonde Haare

Die Bildung hat man jetzt entdeckt
Und jedes Kind das aufgeweckt

Das bringt man jetzt in diese Schule
zu Füßen des Neanders Stuhle

Neander:

Ich lehr in Ilfeld frank und frei
Was für das Leben nötig sei.

Viel Kinder sind zu mir gegangen
Denn das hat damals angefangen

Sie lernten rechnen, lesen, schreiben
Da wollte keins zu Hause bleiben.

Doch Mylius das war ein Knabe
Von dem ich zu berichten habe.

Vater Mylius:
Ich hatte den begabten Sohn
Ich war ja nun ein Pfarrer schon.

Das war ganz neu
Und ohne Scheu

So liebten wir uns als ein Paar
Was ja bisher verboten war.

Volker von Bliedungen:

In diesen Dörfern waren wir viele
Die Weltgeschichte machte Spiele.

Das Kloster Walkenried zerstört
Kein Ort mehr wo man hingehört

Auch Bliedungen war wüst und leer
Für Mönche gab es gar nichts mehr.

In Trebra sich nun neu erhebt
das Pfarrhaus in dem ich gelebt.

Bis Friedrichstal - das ist nicht weit
geht noch bis heut der Pfarrersteig.


Erzähler:

Doch nun zurück zu unserm Mann
Der kam bald aus der Schule dann.

Studierte fleißig viele Sachen
Was eben so Studenten machen.

Sogar bis Frankreich kam er dann
Und wurde dort ein kluger Mann.

Vor allem gab es da ein Ding
an dem sein Herze feste hing.

Es war die Dichtkunst alter Sprache
Die liebte er als seine Sache.

Als ein Poet ist er bekannt
nicht nur in diesem unserm Land.

Nein, weit nach Osten kam er fort
Und lehrte alle Menschen dort.

Die Fürstensöhne wurden schlau
Die wussten`s nachher ganz genau.

Was er die Jungen hat gelehrt
Der Fürst hat ihn dafür geehrt.

Sein Ruf erschallte weit im Land
Das sogar Maximilian fand

Ein solcher Mensch ohn Fehl und Tadel
Gehört von nun an auch zum Adel.

Ein Schwanenwappen, ihr kennt es schon
verlieh er unserem Myliussohn.

Das hat ihn wirklich sehr geehrt,
als er nach Deutschland heimgekehrt.

Nach Jena ist er dann gegangen
Und als Professor angefangen.

Da fand er spät auch noch zur Liebe
Entdeckte späte zarte Triebe.

Er lebte noch mit seiner Frau
Auch sie war schön, ich weiß es genau.
Dann starb er, für uns viel zu früh.
Das Leben dankte seine Müh.

Er ist ein großer Sohn der Zeit.
Von hier aus brachte er es weit.

Sein Erbe wird uns noch begleiten
Auch weiterhin in neue Zeiten.

Er hat es uns vorgestellt:
Der Ort hier ist ein Tor zur Welt.

Nun strebt ihm weiter hinterher
Erhaltet euch auch seine Lehr.

Von dort der Zukunft zugewannt
Soll blühen unser schönes Land.

Das ist das Ende der Geschicht
Ich hoffe ihr vergesst sie nicht.


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