„Was nehmen wir mit vom Reformationsjubiläum?“

Dienstag, 05.Dezember 2017, 17:02 Uhr
Landesbischöfin Ilse Junkermann
Impuls von Landesbischöfin Ilse Junkermann anlässlich des Neujahrsempfangs des Kreiskirchenrates des Kirchenkreises Südharz - 4.12.17

Freie stichwortartige Mitschrift - Regina Englert

Thema: „Was nehmen wir mit vom Reformationsjubiläum?“

1. Ökumene
Die ökumenische Verbundenheit ist im Verlauf der Reformationsdekade gewachsen. Sie wurde vertieft, wie man sich das nicht erträumt hätte. Wir haben uns wegbewegt von der Abgrenzung, hin zu der Perspektive, welche Andersheit für uns bereichernd ist. Diesen friedlichen Umgang mit dem Anderssein müssen wir nun auch in die Gesellschaft hineintragen.
Eine Identitätsfindung durch Abgrenzung schafft Angst und Hass. Wir aber haben gezeigt, dass man auch in Unterschiedlichkeit friedlich miteinander leben kann. Dabei muss man das Eigene nicht aufgeben, sondern sollte es pflegen und als Schatz einbringen.

2. Gegenwart und ihre Geschichte
Der Stolz und das Selbstbewußtsein der Menschen in Mitteldeutschland ist durch das Reformationsjubiläum gestärkt worden. Die Menschen kamen ins Staunen, was Reformation bewirkt hat - positiv wie negativ. Sie lernten viel über die weltweite Bedeutung der Reformation, die von hier ausging, und bis ins Heute reicht.

3. Wir können miteinander und wir können auch anders
Die Reformationsdekade hat dem Jubiläum durch die Vielzahl der Aspekte, die beleuchtet wurden, Tiefe gegeben. Kirche, Kommune, Kultur und Vereine haben gezeigt, wir können miteinander aktiv werden. Viele haben sich vor Ort engagiert und das Jubiläum zu ihrer eigenen Sache gemacht. Und wir haben gezeigt, wir können auch öffentlich Identifikation bieten und wir können groß - wie es zum Beispiel die Lutherfiguren hier in Nordhausen beim Umzug und zum Kreiskirchentag gezeigt haben. Raus auf die Plätze zu den Menschen gehen, sich nicht im kleinen Kreis verstecken, das bleibt in positiver Erinnerung.

4. Der Blick auf den ganzen Luther
Luthers Freunde im Kirchenkreis Südharz haben dazu einen Beitrag geleistet. Sie haben gezeigt, dass es auch andere Reformatoren gibt und die regionale Geschichte sichtbar gemacht.
Luther und seine begrenzte Toleranz traten ins Blickfeld - sein Antijudaismus. Eine Diskussion um das Lutherdenkmal in Nordhausen ist entbrannt. Wir haben gesehen, es gibt keinen idealen Menschen. Unsere auf Perfektion angelegte Gesellschaft braucht unser Ja zu dem, was wir wirklich tun können - braucht unser Ja zum Menschsein.

5. Was ist unser Auftrag heute?
- Wir leben über unsere Verhältnisse - verwüsten die Schöpfung.
- Unser Optimierungsdruck macht uns unbarmherzig gegen uns selbst und anderen gegenüber. Mit dem Ergebnis, dass wir erschöpft und ausgebrannt sind. Wer nicht mitmacht gilt als Schmarotzer.
- Menschen müssen für ihre Überzeugung einstehen, auch, wenn sie keine Aussicht auf Erfolg zu haben scheint.
- Wir brauchen ein Ja zum Menschen mit Fehlern und seiner Begrenztheit.


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