Herodes

Montag, 08.Januar 2018, 20:29 Uhr
Herodes

Es war einmal ein Wolf. Er lebte in der Nähe von Bethlehem. Etwa da, wo die Hirten ihre Herden weideten. Als die Hirten sich auf den Weg zur Krippe machten, schlich er ihnen nach. Er wusste schon, dass er einen guten Happen zu erwarten hatte. Wo die Hirten hingingen, da musste man nur hinterher.
Er schaute durch das Seitenfenster des Stalles und beobachtete die Situation. Noch ein wenig warten, dachte er, dann kehrt Ruhe ein. Dann kann die Mahlzeit beginnen. Er hatte Geduld. Mitten in der Nacht entfernten sich die Hirten wieder und zogen ihres Weges. Jetzt ist die Zeit gekommen, wusste der Wolf. Er schlich in den Stall. Maria und Joseph schliefen. Und er leckte sich die Lippen.
Als er sich der Krippe näherte, streckte das Christkind den Arm aus der Krippe und berührte zärtlich das struppige und schmutzige Fell des Wolfes. Da fiel plötzlich das Fell zu Boden. Ihm entstieg ein Mensch, der keinen Hunger auf Menschenfleisch verspürte. Und vor der Krippe beugte er seine Knie.
Wer genau hinschaut, erkennt in ihm den Menschen Herodes.
Die Begegnung mit dem Kind in der Krippe kann uns friedsamer machen. Kann uns lehren, den Haß abzulegen. Auch in der Sphäre des Politischen.



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