Dankbarkeit, die beglückt

Sonntag, 21.Januar 2018, 06:00 Uhr
Wenn ich mich aus der Domstraße der Nordhäuser Altstadt in Richtung Rathaus oder Theater bewege, kann ich oftmals ein gleiches erfreuliches Verhalten von Mitmenschen erleben, obwohl ich es aus unterschiedlichem Blickwinkel wahrnehme.

Gehe ich zu Fuß in die Stadt, muss ich mehrmals Straßen überqueren. Und oft erlebe ich, dass beim berechtigten Benutzen des Fußgängerüberweges - umgangssprachlich Zebrastreifen genannt - nicht nur Autofahrer anhalten, sondern sogar noch mit der Hand mir deutlich machen, dass sie mir das Überqueren gefahrlos ermöglichen wollen.
Sitze ich hingegen am Lenkrad des gelben und auffälligen VW-Busses der Domgemeinde mit der Aufschrift "Keiner soll alleine glauben", kann ich beim Halten am Zebraschreiben ein dankbares Lächeln oder ein ehrfürchtiges Kopfneigen erleben.

Die Straßenverkehrsordnung regelt klar und eindeutig das vor-geschriebene Verhalten für alle Verkehrsteilnehmer, für Fußgänger wie für die Benutzer der Kraftfahrzeuge. Obwohl das Halten am Zebrastreifen für den Kraftfahrer geboten ist, wenn ein Fußgänger ihn erkennbar benutzen will, und das Nichthalten mit Bußgeld von 80 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister bestraft werden kann, sind menschliche Regungen der Dankbarkeit für sogenanntes selbstverständliches Verhalten beglückend.

Für das begonnene Jahr 2018 wünsche ich Ihnen, liebe Leser, dass sie oft Menschen erleben, die solche Dankbarkeit auch für zu erwartende Leistungen zeigen. Das kann selbst dann gelten, wenn bezahlte Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Gesten der Dankbarkeit können für beide Seiten - Geber wie Nehmer - eine besondere Qualität des Miteinanders ausmachen. In diesem Sinne möchte ich auch über den Raum der Kirche hinaus öffentlich ein Wort aus dem Hebräerbrief der Bibel an dieser Stelle als Wunsch aussprechen: "Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen." (Hebr. 10, 24)

Richard Hentrich, Pfarrer


zum Nachrichtenüberblick