Glaubenszeugnis

Sonntag, 06.Mai 2018, 05:51 Uhr
Nicht nur im 1050. Jahr des Gedenkens an Königin Mathilde beginne ich Führungen im Nordhäuser Dom damit, dass ich von zwei der größten Schätze spreche, die Nordhausen der Königin Mathilde zu verdanken hat. Der eine ist die Gründung dieses Domes, auf die die Existenz unsere Stadt zurückzuführen ist. Und der andere ist der Glaubensschatz, der sich an diesem Ort über bald 1100 Jahre hinweg fest verankert hat.
Oft genug ist der Schatz des Bauwerkes augenscheinlich geschmälert worden u.a. durch Verwüstungen marodierender schwedischer Truppen im 30- jährigem Krieg etwa oder durch Zweckentfremdung in der Zeit der Napoleonischen Besatzung. Dem inneren Glaubensschatz hat dies nicht wirklich geschadet.
Nun ist der sanierte Dom so schön wie er vielleicht noch nie war, aber auch in einer Zeit, die noch nie so voller Zwiespältigkeit und Unglaube war. Ist der Glaubensschatz also am Verschwinden? Ich sage, nein. Gerade in Zeiten religiöser Unsicherheit ist es wichtig, sich seines Glaubens zu vergewissern. Dazu braucht es auch sichtbare Zeugnisse dieses Glaubens. Der Dom ist so ein sichtbarer Schatz, weil er ein Glaubenszeugnis unserer Altvorderen ist. Ihr Mühen um das Bauwerk zeugt von einer inneren Einstellung, die gespeist wurde von einer tiefen Religiosität. Aus diesem Mühen, das auch unser Mühen geworden ist, können wir heute noch Kraft schöpfen für unseren Glauben und diesen an unsere Nachfahren weitergeben.

Am kommenden Wochenende feiert mein Enkel Erstkommunion. Ich werde ihm ein kleines Kreuz schenken, das ich selbst von meinem Großvater zu meiner Erstkommunion geschenkt bekam. Es ersetzt natürlich kein persönliches Gebet an der Bettkante mit meinem Enkel. Aber dieses Kreuz ist ebenfalls ein Zeugnis des Glaubens, das mir einst mein Großvater mitgegeben hat und das ich nun an seinen Ururenkel weitergegeben will.

Gisela Zeh, kath. Gemeinde Nordhausen


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