Ute Jödicke berichtet von ihrer Schätzeentdeckertour im Kirchenkreis Südharz

Freitag, 27.Juli 2012, 11:11 Uhr
Meine Schätzeentdeckertour im Kirchenkreis Südharz

Das Kirchenstempelheft, ausgelegt in allen 104 Kirchen des Kirchenkreises zum Tag des offenen Denkmals 2010, gab mir den letzten Anstoß, auch auf Entdeckungsreise zu gehen. Seit 1993 arbeitete ich in der Superintendentur des Kirchenkreises Bleicherode und ab 1996 bis zur Rente in der Superintendentur des Kirchenkreises Südharz, der durch die Zusammenlegung der Kirchenkreise Bleicherode und Nordhausen entstanden ist. Oft hatte ich Bau- und Fördermittelanträge auf dem Tisch oder Bewilligungsbescheide für Baumaßnahmen an Kirchen und Pfarrhäusern zu schreiben. Schon immer hatte ich den Wunsch, einmal alle Kirchen im Kirchenkreis kennen zu lernen, und so war das Stempelheft ein guter Anlass, dies in Angriff zu nehmen.
Ich begann gleich im Herbst 2010, doch hatte ich mir vorgenommen, nicht nur den Stempel in mein Heft zu drücken, sondern wollte in jeder Gemeinde einen Gottesdienst mit feiern. Durch die unterschiedlichen Gottesdienstzeiten konnte ich manchmal zu zwei Gottesdiensten sonntags fahren bzw. noch einen am Sonnabend. Manchmal ließen sich Gottesdienste in der Nähe verbinden, doch oft war eine Kirche in der Region West (z.B. Zwinge) und eine in der Goldenen Aue (z.B. Hamma oder Steigerthal). Aber das hat mich auch nicht gestört. Ich kenne jetzt jeden kleinen Ort im Kirchenkreis, wo es eine Kirche gibt, weiß, wo er liegt, und jeder kleine Ort hatte seinen besonderen Reiz. Auch die unterschiedlichen Landschaften mit Wiesen, Feldern und Wäldern waren zu jeder Jahreszeit sehr wohltuend.
Es war manchmal nicht einfach, die Kirche im Ort zu finden, denn nicht jede Kirche hatte einen Kirchturm oder lag im Zentrum oder weithin sichtbar auf einem Hügel. Da war ich froh, wenn ich mal eine Person im Garten oder auf der Dorfstraße sah, die ich fragen konnte.
Bei jedem Kirchenbesuch hatte ich meinen Fotoapparat dabei, denn ich wollte jede Kirche von außen und den Altar sowie besondere Schätze aufnehmen und für mich als Erinnerung in einem Ordner festhalten. Es war sehr interessant, wie unterschiedlich die Kirchen waren, von der kleinen Friedhofskapelle über wunderschöne Fachwerkbauten, Natursteinkirchlein bis zu majestätisch großen Kirchen in besonderem Baustil mit mehreren Emporen. Es gab viel zu bestaunen, z.B. Altäre aus verschiedenen Zeitepochen, Wand- und Deckenbemalungen, Holzschnitzereien, Sandsteinfiguren, Taufengel usw. In der letzten Kirche konnte ich sogar eine ganz besondere Heizungsanlage für feste Brennstoffe bewundern, die bis zur ersten Empore reichte.
Ich war zwar sehr angetan von den vielen Schätzen, die sich mir boten, doch noch mehr hab ich mich über die Veränderungen durch Baumaßnahmen in den letzten Jahren gefreut. Stolz haben mir Gemeindeglieder oder Älteste erzählt und gezeigt, was erneuert und restauriert wurde und was sie für ihre Kirche erreicht haben. Eine Kirche hatte ein neues Dach bekommen, wo vor Jahren noch Bäume in der Kirche wuchsen, in einer anderen Kirche freute man sich über den neuen Fußboden, eine weitere war neu ausgemalt worden. In einer Kirche bin ich bis zum Altar unter einer neuen Balkenkonstruktion gelaufen. Viele Kirchen waren von außen eingerüstet. Es tut sich also überall was, nur leider ist zu wenig Geld da.
In allen Kirchengemeinden wurde ich freundlich willkommen geheißen. In den Wintermonaten, als oft Gottesdienste in Gemeideräumen stattfanden, konnte ich im Anschluss die Kirche in aller Ruhe besichtigen. Ich bin dankbar für alle Gespräche und Kontakte.
Nicht nur die Kirchen, sondern auch die Gottesdienste waren mir sehr wichtig, einmal von jedem Pfarrer im Kirchenkreis eine Predigt zu hören. Wenn die Orgel nicht bespielbar war, hat manchmal der Pfarrer den Gesang per Keyboard oder Gitarre begleitet oder es wurde mit CD gesungen. Ganz ohne instrumentale Begleitung war am schwierigsten zu singen; doch da waren die Gemeindeglieder froh, eine zusätzliche Besucherstimme zu haben.
Ich konnte auch mit erleben, wie die Kirchen zu den unterschiedlichen Festtagen im Kirchenjahr geschmückt waren, oder manchmal war es ganz einfach nur der Altarschmuck, der mich fasziniert hat. Dies und wie das ganze Umfeld um die Kirche aussieht, sagt auch einiges über das Gemeindeleben aus.
Ich bin sicher, ich werde einige Gemeinden wieder besuchen und komme gern zu besonderen Gemeindefesten. Ich bin für jeden Hinweis und jede Einladung dankbar. Das Fest anläßlich der Glockenweihe am 1. April 2012 in Werningerode hat mir sehr gut gefallen.


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