Was macht Gott in den Ferien?

Sonntag, 01.Juli 2018, 05:48 Uhr
Was macht Gott in den Ferien? Hurra! Nächste Woche beginnen die Ferien! Die große Reiselust packt die Familie. Urlaub oder Ferien zu haben bedeutet aber nicht gleichzeitig das Verreisen in die Weite. Viele von uns haben in allen Teilen der Welt Reisen gebucht. Es wird geflogen, gefahren, verschifft oder mit dem Zug gereist. Sonne, Strand oder Berge - alles lockt weit weg. Dafür nehmen wir gerne ein paar Stunden stinkenden Stau auf der Autobahn, nervige Wartezeiten in Bahnhöfen oder Flughäfen oder stressige Umsteigezeiten in Kauf. Denn es winkt die Belohnung: Abschalten vom Alltag, leckeres Essen, tolle Abenteuer, Vergnügen pur. Aber der Dichter Josef Eichendorff zeigt uns eine völlig andere Perspektive zum Reisen: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.“ Demnach ist es ein Geschenk Gottes, reisen zu dürfen. Denn Gott hat auch oft Menschen losgeschickt, in die weite Welt zu ziehen. Glauben heißt unterwegs sein, offen sein, neue Erfahrungen machen, Fremdes kennen lernen. Und der Glaube nimmt keinen Platz im Koffer oder im Rucksack weg, sondern erleichtert vielleicht die zu tragende Last. Das Reisen - ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bus und Bahn oder Flugzeug - eröffnet neue Räume und zeigt, dass die Welt bunt ist. Gott macht damit deutlich, dass das Leben nicht beim Tellerrand des eigenen Alltags endet. Beim Reisen merken wir, dass das Leben auch ganz anderes sein könnte. Auch wenn selbst in unserer privilegierten Gesellschaft nicht immer die Möglichkeit haben weite Reisen zu unternehmen, können wir die Ferien schön gestalten. Setzen Sie sich mal für ein paar Stunden gedanklich neben Gott in den Liegestuhl und betrachten Sie die Schöpfung. Steigen Sie auf einen Hügel oder Berg und bewundern Sie die Welt. Besuchen Sie andere Städte und Kulturen und freuen Sie sich an Gottes Vielfalt. Welche Möglichkeit Sie auch haben Urlaub zu verbringen: nutzen Sie die Zeit, um Gottes Schönheit zu entdecken und ihm für diese Vielfalt zu danken. Denn „Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich.“
Szilvia Schelenhaus, Domgemeinde Nordhausen


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