Quelle – Leben – Schöpfen

Montag, 10.Dezember 2018, 08:30 Uhr
Impulsreferat zum Oasentag am 27.10.2018
Herzschlag-Jugendkirche Nordhausen
von Kathrin Schwarze – Beauftrage für die Arbeit mit Frauen im Ev. Kirchenkreis Südharz

A. Quelle
Ich gebe dieses Stichwort in meinem Computer in die allgemeine Suchmaschine ein und lese doch tatsächlich als allererstes „Quelle, Ihr Online Versandhaus – Möbel, Technik und Privileg kaufen“. Ich bin zunächst erst einmalüberrascht. Nach diesem Impuls habe ich nun wirklich nicht gesucht! Was für ein Lebensgefühl wird mir hier eigentlich vermittelt? Etwa: „Quelle“ ist der Ort, an dem ich den Durst nach Konsum stille?
Nein, ein überdeutliches Nein!
Meine Sehnsucht sucht doch nach völlig anderen Worten, die völlig andere Bilder im Inneren meines Kopfes freisetzen, als die von Waschmaschinen mit Vorbügelprogramm oder Wasserkocher mit der Gabe, die erreichte Temperatur für drei Minuten konstant zu halten.
Eine Quelle: ist das nicht ein ganz besonderer Ort in Gottes weiter Schöpfung? Eine Quelle – laut einem echten Nachschlagewerk – ein feminines Substantiv, ein Ort, an dem etwas entspringt, an dem etwas entsteht. Ich schließe meine Augen, atme tief durch, lasse meine Gedanken kreisen und finde mich an einem solchen Ort wieder. Ich stehe vor einem kleinen Fels auf einer saftigen Wiese und vor mir rinnt kaltes, glasklares Wasser aus dem Boden und läuft einfach los. Ich stehe an einem Ort, an dem (ich habe inzwischen im Nachschlagewerk weiter gesucht) dauerhaft oder zeitweise Grundwasser auf natürliche Weise an der Geländeoberfläche austritt. Meistens handelt es sich dabei um aus Niederschlägen gespeistes Grundwasser. Nur in seltenen Fällen entstammt das Wasser tieferen Teilen des Erdinneren. Da tritt dieses Wasser aus dem Boden so unscheinbar aus, so gering geachtet. In meiner Seele macht sich für einen Moment so etwas wie ganz tiefer Respekt Raum. Was löst dieser kleine Ort, dieser Austritt aus? Meter für Meter – Kilometer für Kilometer – gewinnt es an Masse, an Kraft, an Volumen, an Stärke und an Charakter! Was ist es für eine Quelle? Eine Fließ- oder Sprudelquelle, Sickerquelle, Sumpfquelle, Tümpelquelle, Trichterquelle oder gar ein Quellteich? Zunächst beginnen zarte kleine Algen und Pflanzen das Wasser mit Leben zu füllen, später kommen winzig kleine Tierchen, Fische und im Frühsommer Unmengen an Kaulquappen hinzu. Sie füllen das Wasser mit Leben. Und noch etwas später, was passiert dann? Aus dem Rinnsal entsteht ein Bach, ein Fluss, später ein Strom und dann hat diese Quelle die Gabe, ein Weltmeer zu speisen. Diese Quelle versorgt uns mit lebensnotwendigem Trinkwasser und ich spüre eine Wut in mir aufsteigen, dass es wenige Firmen gibt, die bestimmen, wer sich weltweit Trinkwasser leisten darf. Die Quelle lässt alle Natur um uns herum wachsen und versorgt alles, was wir zum Leben brauchen. Sie hat die Kraft zum Heilen!
Meine Gedanken kreisen weiter, das Wort „Quelle“ verwendet man doch nicht nur für Wasser, das aus der Erde kommt. Mit „Quelle“ meint man ebenso einfach die Herkunft einer Nachricht. Wenn in der Zeitung etwas steht, fragen wir uns schon manchmal, aus welcher Quelle das kommt und woher die Schreiberin das weiß. Vielleicht hat sie es selber gesehen, das wäre eine sichere Quelle. Vielleicht hat sie es aber nur über das Hörensagen. Das wäre eine unsichere Quelle. Es gibt verschiedene Arten von solchen Quellen. Ein Mensch kann eine Quelle sein, wenn er erzählt, was er selber gesehen oder erlebt hat. Ein alter Brief kann eine Quelle für die Geschichtswissenschaft sein, aber auch ein alter Grabstein oder eine Inschrift an einem Haus. Auch alte Gemälde können gute Quellen sein. Man darf sich dann aber schon ab und an fragen, ob der Schreiber oder der Maler nicht vielleicht ein klein wenig übertrieben hat.
Und meine Gedanken kreisen noch etwas weiter. Aus welchen Quellen leben wir? Wie sind wir Quelle für andere?
In der Tiefe unseres Daseins tragen wir alle eine Quelle in uns, sind wir uns nur dessen bewusst oder nicht. Haben wir wirklich gelernt, diesen Teil in uns bewusst wahr zunehmen, das eigene Licht, die eigene Mitte, den eigenen Ort, an dem etwas entspringt?
Mit innerer Quelle meine ich den Teil, der uns ganz still werden lässt, um dem leisen, ganz leisen Sprudeln Gehör zu verschaffen, das in mir entspringt. Es ist eine Quelle der Schöpferkraft –der inneren Ruhe, der Ausgeglichenheit, des Ankommens in unserem wahren Wesenskern, den Christus geschaffen hat. Es ist die Verbindung zu unserem wahren Selbst, unserer Essenz.
Wenn wir in der Tiefe Christus selbst begegnen, erfüllt uns ein tiefer Friede, verbunden mit Liebe.
In diesem Gewahrsein können wir spüren, dass wir mehr sind als nur Körper und mit Allem verbunden, eingebettet in der gesamten Schöpfung Gottes. Wir beginnen unsere innere Stimme bewusster zu hören und lernen, unserer Intuition und Wahrnehmung immer mehr zu vertrauen und sie für andere zu öffnen.
Hier folgt eine Aktion
Zwei Fragen:
1. Aus welchen Quellen leben wir?
2. Wie sind wir Quelle für andere?
(Regentropfen aus Papier geschnitten, verteilen, beschriften lassen und einen Wasserlauf damit legen lassen)

B. Leben
Vor wenigen Wochen wurde ich zum achten Mal Tante. Es wurde meiner Schwägerin geschenkt, einem kleinen Menschen das Leben zu schenken. Dieses Kind liegt in tiefer Entspannung in meinen Armen, schaut mich mit seinen klaren Augen an, saugt ein wenig an meinem Zeigefinger und hat ein noch völlig unbelastetes Vertrauen zu mir. Dieser Moment, diese Minuten setzen ein Gefühl des Glücks in mir frei. Ein Herz das mir sagt: jetzt fühle ich mich lebendig! Und wenn ich in unsere Runde schaue, dann ahne ich, so einige unter Ihnen, unter Euch erinnern sich gerade an solche eigenen Momente. Dieser inzwischen 54 cm große und 3000 g schwere kleine Mensch verkörpert ein absolutes Wunder. Es bringt mir meine Gedanken an den Ursprung aller Dinge, nämlich genau die Frage: Was ist Leben? Die Antwort ist eigentlich klar: Sie ruht doch hier auf meinen Armen!
Wir alle brauchen zu unseren angefüllten und kräftezehrenden Alltagsabläufen eine Auszeit, Urlaub. Die einen zieht es in die Berge, andere ans Meer. Ich gehöre zu den letzteren und gebe gern zu, ich liebe die Nordsee und seine Gezeiten. Ich stehe inmitten des Watts. Der Sturm bläst mir den Kopf frei. Meine Seele entspannt unendlich, wenn ich stundenlang in die Weiten des Horizontes schaue und feststellt: eine Menge Gegend hier! Dann sagt mein Herz wieder: jetzt fühle ich mich lebendig!
Haben Sie eine solche oder ähnliche Situation auch schon erlebt?
Ich stecke in einem straff organisierten Tagesrhythmus. Meine Gedanken sind hochkonzentriert ausgerichtet. Alle anfallenden Tätigkeiten müssen zuverlässig mit den folgenden Geschehen ineinanderlaufen. Eine Störung dessen würde heute Schaden verursachen. Ich stehe am Bügelbrett und verhelfe schnell den Oberhemden von Ehemann und Sohn zu perfektem Sitz. Da kommt eine Musik im Radio, die nicht nur mich innehalten lässt. Mein Mann nähert sich mit einem so anderen Blick! Er nimmt mir vorsichtig das Bügeleisen ab, greift meine Hände und beginnt sich mit mir zu den Rhythmen der Musik im Kreise zu drehen. Da beginnt in mir ein Kribbeln und mein Herz sagt wieder: jetzt fühle ich mich lebendig!
Mir fallen noch so viele Momente aus meinem Leben ein, in denen ich das Leben spüre. Ihnen geht es nach ein paar Überlegungen sicher genauso.
Aber, kommen wir noch einmal auf die Frage am Ende meiner ersten kleinen lebendigen Betrachtung zurück: Was ist Leben?
Eine mögliche Antwort: Das gesamte leibliche und geistige Wirken eines Lebewesens. Bei uns Menschen ist es die individuelle Selbsterfahrung von Handeln, Denken und Fühlen als bestimmende Eigenschaft des Daseins. Platon lebte im 5. Jahrhundert vor Christus. Bei ihm wird Leben zum philosophischen Begriff und meint die Fähigkeit der inneren Bewegungskraft, wobei das bestimmende Prinzip hierbei die Seele ist, die sich im Körper verwirklicht. Mitarbeiter der NASA haben sich vor 13 Jahren intensiv mit der Formulierung einer Definition befasst und beschlossen, aus naturwissenschaftlicher Sicht entzieht sich Leben bislang einer präzisen Definition. Möglich ist stattdessen, eine Reihe von Merkmalen zu beschreiben, die allem Lebendigen eigen sind:
• „Energie- und Stoffwechsel und damit Wechselwirkung mit ihrer Umwelt.
• Organisiertheit und Selbstregulation. (Fähigkeiten, mit denen Menschen ihre Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse und Handlungen steuern).
• Reizbarkeit, das heißt Lebewesen sind fähig, auf chemische oder physikalische Änderungen in ihrer Umwelt zu reagieren.( die Fähigkeit, Informationen von außen aufzunehmen, wahrzunehmen und auf diese zu reagieren).
• Fortpflanzung, das heißt, Lebewesen sind zur Reproduktion fähig.( Erzeugung neuer, eigenständiger Nachkommen eines Lebewesens)
• Vererbung, das heißt, Lebewesen können Informationen (Erbgut) an ihre Nachkommen übermitteln.
• Wachstum und damit die Fähigkeit zur Entwicklung.“


Was ist Leben?
In der Umgangssprache bedeutet Leben oft einfach nur das schlichte Dasein der Lebewesen.
Die Wissenschaft vom Leben ist die Biologie.
Die Gesamtheit des Lebens ist die Natur. Leben zeichnet sich aus durch seine Begrenztheit. Es endet mit dem Tod.
Was ist Leben?
Um zu leben, das ist meine Erkenntnis, müssen wir etwas tun, lebendig sein! Wie geht das: Lebendig sein? Warum sollen wir lebendig sein?
Ich bin auf zwei Soziologen gestoßen, die sich über das Lebendigsein sehr gute Gedanken gemacht haben!
Der Soziologe Max Weber schrieb 1905: Lebendigsein kann man nicht für sich alleine, sondern nur in Beziehung – das Andere muss aber kein Mensch sein, es kann auch ein Tier, ein Wald, ein Buch oder ein Lied sein.
„Etwas zu brauchen oder zu nutzen, auch etwas zu gestalten oder von etwas beeinflusst zu werden, stiftet noch keine Lebendigkeit. Lebendig werde ich erst, wenn das Andere da draußen mit mir so in Beziehung tritt, dass ich durch diese Beziehung selbst verändert werde, dass ich mich dabei und darin verwandle. Lebendigkeit ist deshalb Anverwandlung von Welt, nicht bloß Aneignung von Stoff.“
Der Soziologe Hartmut Rosa, stellt folgendes fest:
„Lebendigkeit ist eine Beziehungsform, die sich der Logik der Steigerung und Optimierung, der Beherrschung und Kontrolle widersetzt. Wer sein Leben unter Kontrolle hat, ist tot. Wer sein Leben systematisch darauf anlegt, seine Weltreichweite zu vergrößern – mehr Wissen, bessere Kontakte, einen leistungsfähigeren und attraktiveren Körper, ein höheres Einkommen zu haben –, verliert Stück für Stück seine Lebendigkeit, denn das Leben, das ist das Unverfügbare. Eine Gesellschaftsform, die die unablässige Akkumulation ( also Ansammlung) und Optimierung von sozialen, ökonomischen, kulturellen und körperlichen Ressourcen erfordert, um die ungeheure Verheißung lebendiger Weltbeziehungen aufrechterhalten zu können, führt zu mechanisierter Versteinerung.“
Mit unserem christlichen Glauben ist das, ebenso zu sehen. Wir glauben: Gottes Wort ist lebendig. In der Heiligen Schrift steht geschrieben, dass das Wort Gottes Fleisch geworden ist, also Mensch wurde. Gemeint ist dabei die Geburt Jesu Christi. Damit wird vermittelt, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde. Dieses lebendig gewordene Wort Gottes war vorher bei Gott und es war auch Gott. Somit ist das Wort Gottes lebendig. Wenn Lebewesen atmen und sich bewegen, dann sind sie lebendig. Christlicher Glaube atmet, bewegt sich, kommuniziert lebendig mit Gott, bewegt lebendige Menschen, ist also lebendig zu sehen.
Warum?
Menschen, die an Jesus Christus glauben, haben einen lebendigen Glauben, weil sie an einen lebendigen Gott glauben. Christus ist am Kreuz gestorben und am dritten Tage auferstanden von den Toten. Er lebt! Somit können wir zu Recht sagen, wir haben einen lebendigen Glauben an einen lebendigen Gott. Wir stehen in einer Beziehung zu Jesus Christus, an den wir glauben. Er ist zwar aufgefahren in den Himmel und befindet sich jetzt zur Rechten Gottes, ist aber für uns Jünger/Nachfolger immer zu erreichen. Und wie? Na klar: im Gebet! Im Gebet bringen wir Gott „Dank, Lobpreis, Fürbitten, Bitten um Hilfe und Beistand“ im alltäglichen Leben. Wer eine solche Beziehung zu Gott hat und so mit ihm kommuniziert, kann davon ausgehen, dass er eine lebendige Beziehung zu ihm hat. Und wissen Sie wo ich das immer besonders tief spüre? Jeden ersten Freitag im März! Die bereits zum Anfang des Impulses genannten Möglichkeiten, den Begriff „Leben“ zu umschreiben, sind genau die, die wir brauchen, um unseren christlichen Glauben lebendig zu gestalten. Um unseren Glauben mit Leben zu füllen. Wir brauchen unsere Fähigkeiten, mit denen wir Menschen unsere Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse und Handlungen steuern. Wir brauchen die Fähigkeit, Informationen aus unserem Umfeld aufzunehmen, wahrzunehmen und auf diese in unserer Verantwortung zu reagieren.
Ihr Lieben Frauen, lasst Euch anstecken, habt Mut, Euch auf das Leben mit Christus immer wieder einzulassen, es zu wagen, zu suchen und auszuprobieren - und gerade aus dem Vertrauen des Glaubens heraus darauf gespannt sein, ob da nicht inmitten der Unscheinbarkeit des Alltags plötzlich Zeichen Gottes aufglänzen, vielleicht nimmt auch Euch behutsam für einen Moment jemand das Bügeleisen aus der Hand.
Hier folgt eine Aktion
Teilnehmerinnen bilden einen Kreis, Bewegung zum Lied „Wasser vom Himmel“

C. Schöpfen
Also ich finde, das ist mal ein schwaches Verb mit einer echt starken Wirkung! Dieses Wort stammt aus dem Mittelhochdeutsch und davor aus dem Althochdeutsch und ganz entscheidend haben damals die Schwaben diesen Begriff geprägt. Sie haben den Begriff „arbeiten“ übersetzt mit „schaffen“ und daraus „schöpfen“. (Lächeln wir nicht bis heute über den Ausspruch: „Schaffe, schaffe, Häusle baue…“) Artverwandte Worte lassen sich zuordnen wie scheffen, scheffeln, Schaff oder Scheffel, ein Hohlmaß oder Kornmaß. Das bekommt hier in Nordhausen gleich mal eine ganz eigene Bedeutung.
Mir kommt da sofort der Gedanke an den Ausspruch: „Aus dem Vollen schöpfen!“ Das hat auf mich schon als Kind eine ganz üppige, volle Wirkung ausgeübt. Aus dem Vollen schöpfen! Hier gibt es ganz viel zu holen, wir haben reichlich, es ist etwas im Überfluss, wir haben hier ein großes Potential.
Wir können den Rahm abschöpfen, frische Luft schöpfen, neuen Mut schöpfen, Wasser aus dem Keller schöpfen, Informationen aus alten Quellen schöpfen, wie Goethe neue Worte schöpfen. Am Glauben Verzweifelte schöpfen aus dem Trost des Heiligen Geistes neue Kraft, oder in der Jägersprach (ist eine Jägerin zufällig unter uns?) das Wild schöpft Wasser.
Haben Sie oder Ihre Kinder und Enkelkinder nicht auch Stunden in der Badewanne oder im Sandkasten verbracht und in einer Emsigkeit den Inhalt aus zweier Gefäße dem einen in das nächste geschöpft oder durch die Hände rinnen lassen?
Auf jeden Fall passiert im Schöpfvorgang immer eine Aktion, bei der etwas nach oben geholt oder etwas entnommen wird.
Die größte Schöpfungsaktion der Welt schlichtweg ist für uns Menschen im christlichen Glauben die Schöpfungsgeschichte: Gott, der Schöpfer erschuf unsere Welt!
Die Entstehung unseres Planeten, die Entwicklung von Pflanzen, Tieren und Menschen, fast alles lässt sich bereits naturwissenschaftlich erklären. Doch wer hatte die Idee zu diesem Plan, wer hat ihn ausgetüftelt?
Gott, unser Schöpfer!
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (1.Mose 1,1) Mit diesem Satz beginnt die Heilige Schrift.
Dieser Satz ist für uns aus zwei Gründen heute wichtig: Zum einen ist es der erste Satz der Bibel und damit eine Grundlage für alle anderen Sätze. Zum anderen beschreibt er Gottes Tun. Gott als Schöpfer wird tätig. Das hebräische Wort barah – schaffen – beschreibt diesen Schöpfungsakt als ein göttliches Geschehen. Barah kann nur Gott. Er ist der Schöpfer von Himmel und Erde, Sonne, Mond und Sternen, Pflanzen- und Tierwelt, letztlich auch des Menschen. Ihn schafft er zu seinem Bilde.
Und so bekommt auch der Mensch etwas ab von der Schöpferkraft Gottes. Er kann nun seinerseits selbst schöpferisch tätig werden, ohne jedoch seinen Schöpfer – Gott – übertreffen zu können. Daher kennt die hebräische Sprache andere Worte für die kreative Schöpferkraft des Menschen. Für seine Fähigkeiten finden sich Verben, die sich mit „erzeugen“ oder „herstellen“, aber auch „bearbeiten“ und „bebauen“ übersetzen lassen.
Auch wenn Gott und Mensch am Anfang der Schöpfung in ein enges Verhältnis gedacht sind, so ist doch eine deutliche Unterscheidung gemacht: Gott ist der Schöpfer allen Lebens und der Mensch ein kreatives Geschöpf.
Dieser hebräische Ursprung findet sich wieder in den ersten Worten des Johannesevangeliums: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott (Joh 1,1). Aus diesem einen Wort ist alles ins Leben, in sein Seien gerufen.
Wenn wir heute aus der Quelle lebendigen Wassers schöpfen, dann bedienen wir uns Gottes Schöpfung – es ist sein lebendiges, erfrischendes und klares Wasser. Und wir können schöpfen, weil Gott uns diese Fähigkeit mit ins Leben gelegt hat.
In einem Gleichnis erzählt Jesus von den anvertrauten Talenten (Mt 25,14-30). Gemeint ist zunächst Geld. Ein reicher Mann geht außer Landes. Zuvor vertraut er sein Geld unterschiedlichen Menschen an. Einer bekommt zehn Zentner, ein zweiter fünf Zentner, ein dritter bekommt einen Zentner anvertraut. Nun beginnt jeder auf seine Weise, mit diesen anvertrauten Gaben umzugehen. Der erste verdient weitere zehn Zentner dazu, der Zweite weitere fünf Zentner. Sie haben ihre anvertrauten Gaben verdoppelt. Nur der dritte hat vor Angst sein Geld vergraben.
Als nun der reiche Herr nach geraumer Zeit zurück kommt, fordert er Rechenschaft. So können der erste und zweite etwas vorweisen. Der dritte hingegen kann nur den einen vergrabenen Zentner zurückgeben. Darauf wurde der Herr zornig und hat diesen dritten als unnützen Knecht gescholten.
Ich habe lange gebraucht, dieses Gleichnis zu verstehen. Der reiche Mann bekommt doch zurück, was er gegeben hat! Doch darum geht es nicht. Jesus spricht seine Hörerinnen und Hörer an: vergrabt eure Talente nicht. Die Wortgleichheit mit dem inneren Talent, dem individuellen Können mag ein Zufall sein. Ich finde: es passt genau. Vergrabe deine guten Gaben nicht. Jede von uns kann etwas besonders gut und bereichert mit ihren guten Gaben die Gemeinschaft. Diese anvertrauten guten Gaben sollen wir nicht vergraben, sondern hervorholen und anwenden.
Gottes Schöpferkraft hat in eine jede von uns besondere Begabungen, besondere Talente gelegt. Wenn wir sie erkennen und anwenden, dann erwächst daraus eine begabte Gemeinschaft. Das ist heute so – wir alle bringen etwas ein zum Gelingen dieses Tages – und das ist auch in Ihren und Euren Gemeinden so. Sie werden lebendig und reich durch die Fülle der Gaben, die Gott in uns Menschen gelegt hat. Wir schöpfen mit unseren Gaben aus der Vielfalt Gottes.
Hier folgt eine Aktion
Schöpfen (jede Teilnehmerin tritt hinzu, schöpft Wasser aus der Schüssel, lässt es durch die Hände rinnen und spricht eine gute Gabe aus, die sie in ihrem Leben erkannt hat.)
2 Phasen:
Gespräch zu zweit. Darin: erzähle etwas von deinen guten Gaben.
Schöpfaktion: Eine schöpft Wasser und erzählt über die gute Gabe der Gesprächspartnerin.

Kathrin Schwarze


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